Einzelbewertung bei pauschaler Besteuerung für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte bei der Überlassung eines Dienstfahrzeuges

Überlässt der Arbeitgeber seinem Arbeitnehmer ein betriebliches Fahrzeug auch für private Zwecke, wird in den meisten Fällen die Besteuerung des geldwerten Vorteils durch die sogenannte 1%-Regelung vorgenommen. Der Arbeitnehmer besteuert gemäß § 8 Abs. 2 Satz 2 EStG monatlich 1% des inländischen Bruttolistenpreises im Sinne des § 6 Abs. 1 Nr. 4 S. 2 EStG als geldwerten Vorteil.

Wird dem Arbeitnehmer das Fahrzeug auch für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte überlassen, so erhöht sich der geldwerte Vorteil um 0,03 % des Bruttolistenpreises für jeden Kilometer der Entfernung zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte (§ 8 Abs. 2 S. 3 EStG).

Der BFH hat in mehreren Urteilen entschieden, dass die Zuschlagsregelegung des § 8 Abs. 2 Satz 3 EStG nicht die Funktion habe, eine irgendwie geartete zusätzliche private Nutzung des Dienstwagens zu bewerten.[1] Die Zuschlagsregelung bezwecke lediglich einen Ausgleich für abziehbare, tatsächlich aber nicht entstandene Erwerbsaufwendungen. Dem BFH zufolge handelt es sich bei der Zuschlagsbesteuerung um einen Korrekturposten zum Werbungskostenabzug. Der Korrekturposten kommt daher nur insoweit zur Anwendung, wie der Arbeitnehmer den Dienstwagen tatsächlich für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte (heute: erste Tätigkeitsstätte) benutzt hat. Die Urteile finden über die entschiedenen Einzelfälle hinaus Anwendung.[2]

Der Steuerpflichtige kann zwischen der pauschalen Regelung und der Einzelbewertung wählen. Für die Einzelbewertung stellt der Arbeitnehmer schriftlich, mit detaillierter Tages- und Datumsangabe, die Tage zusammen, an denen er tatsächlich das betriebliche Fahrzeug für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte genutzt hat. Eine bloße Angabe über die Anzahl der Tage für die Einzelbewertung ist nicht ausreichend. Der Arbeitnehmer muss für die Tage, an denen er das Fahrzeug nicht für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte genutzt hat,  keine Angaben darüber machen, wie er zu seiner Arbeitsstätte gelangt ist. Den Angaben des Arbeitnehmers ist Glauben zu schenken, sofern dieser nicht erkennbar unrichtige Angaben gemacht hat. Für die tatsächlichen Fahrten ist eine Einzelbewertung mit 0,002% des Bruttolistenpreises je Entfernungskilometer und Fahrt vorzunehmen.

Der Pauschalbewertung liegt eine jahresbezogene Begrenzung von  180 Fahrten zugrunde. Sofern der Arbeitnehmer also mehr als 180 Fahrten durchführt, ist kein weiterer geldwerter Vorteil  für die darüber hinausgehenden Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte zu besteuern.

Die Einzelbewertung kann sowohl im Lohnsteuerabzugs- als auch im Veranlagungsverfahren vorgenommen werden.

Da der Arbeitgeber oftmals den bürokratischen Aufwand der Einzelbewertung scheut wird im Folgenden auf die Einzelbewertung im Veranlagungsverfahren eingegangen.

Der Steuerpflichtige hat die Möglichkeit seinen Bruttoarbeitslohn im Rahmen seiner Einkommensteuererklärung zu berichtigen, in dem er seinen Bruttoarbeitslohn um den Wert des vom Arbeitgeber besteuerten geldwerten Vorteils aus der Pauschalregelung mit 0,03 % mindert und um den  Wert für die tatsächlichen Fahrten aus der Einzelbewertung erhöht.

Beispiel:

Der Steuerpflichtige Hans Reisender ist als Arbeitnehmer für eine Firma im Außendienst tätig. Für diesen Zweck stellt ihm sein Arbeitgeber ein Dienstfahrzeug mit einem Bruttolistenpreis in Höhe von 105.000 € sowohl für Dienstreisen als auch für Fahrten zwischen Wohnung- und erster Tätigkeitsstätte zur Verfügung. Die Entfernung zu seiner ersten Tätigkeitsstätte beträgt 115 km. Aus seinen Aufzeichnungen geht hervor, dass er tatsächlich an 100 Tagen mit dem ihm zur Verfügung gestellten Dienstwagen zu seiner ersten Tätigkeitsstätte fuhr. An 121 Tagen befand er sich auf Dienstreise ohne vorher seine Arbeitsstätte aufgesucht zu haben. Der Arbeitgeber hat den geldwerten Vorteil nach der 1%- Methode für die Privatfahrten und nach der Pauschalbesteuerung mit 0,03 % für die Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte besteuert. Im Rahmen seiner Einkommensteuererklärung begehrt Hans Reisender eine Minderung seines Bruttoarbeitslohnes. Die individuelle Anlage zur Einkommensteuererklärung sieht wie folgt aus:                                                                        

Bruttoarbeitslohn gem. Lohnsteuerbescheinigung

 

        223.470,00 €

darin enthalten: geldwerter Vorteil

105.000 € x 0,03% x 12 x 115 km

 

 

    ./.   43.470,00 €

zuzüglich: geldwerter Vorteil

105.000 € x 0,002% x 115 km x 121

 

       

          29.221,50 €

verbleiben

        209.221,50 €

 

Die Einzelbewertung führt zu einer Minderung des Bruttoarbeitslohnes in Höhe von 14.248,50 €. Bei einer unterstellten Einkommensteuerbelastung von 42% spart Hans Reisender 14.248,50 € x 42% = 5.984,37 € Einkommensteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer.


[1] BFH v.  22.09.2010,VI R 54/09, BFH v. 22.09.2010, VI R 55/09, BFH v. 04.04.2008, VI R 85/04, BFH v. 04.04.2009, VI R 68/05

[2] BMF Schreiben vom 01.04.2011, IV C5 – S 2334/08/10010

 

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