Arbeitszimmer im Betriebs- oder Privatvermögen?

Unabhängig von der Abzugs- bzw. Nichtabzugsfähigkeit von Aufwendungen für die Kosten eines häuslichen Arbeitszimmers gilt es Besonderheiten hinsichtlich der Begründung von Betriebsvermögen in Bezug auf ein häusliches Arbeitszimmer zu beachten.

Gemäß § 8 EStDV brauchen eigenbetrieblich genutzte Grundstücke von untergeordnetem Wert nicht als Betriebsvermögen behandelt zu werden,  wenn ihr Wert nicht mehr als ein Fünftel des gemeinen Werts des gesamten Grundstücks und nicht mehr als 20.500 Euro beträgt.

Maßgeblich ist der Wert des ganzen Grundstücks, also der Boden- und der Gebäudewert. Bei dem gemeinen Wert handelt es sich um den Verkehrswert (Marktwert) des Arbeitszimmers.

Achtung: Der Verkehrswert unterliegt Schwankungen. Eine Überprüfung der Bagatellgrenze des § 8 EStDV sollte daher im Rahmen der Erstellung von Jahressteuererklärungen zum Pflichtprogramm gehören.

Der Steuerpflichtige genießt ein Wahlrecht bei der Zuordnung von eigenbetrieblich genutzten Grundstücken zum Betriebs- oder Privatvermögen, sofern die Größenmerkmale des § 8 EStDV eingehalten werden. Die Berücksichtigung von Abschreibungen im Zusammenhang mit einem häuslichen Arbeitszimmer ist von der Zuordnung zum Betriebs- oder Privatvermögen unabhängig, da gemäß R 4.7. Abs. 2 Satz 4 EStR Aufwendungen für einen Grundstücksteil (einschließlich AfA), der eigenbetrieblich genutzt wird, vorbehaltlich des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG auch dann Betriebsausgaben sind, wenn der Grundstücksteil wegen seines untergeordneten Wertes nicht als Betriebsvermögen behandelt wird.

Tipp:

Das heißt, unabhängig davon, ob das eigenbetrieblich genutzte Grundstück dem Betriebs- oder Privatvermögen zugeordnet wurde, bleibt der Betriebsausgabenabzug (auch für die AfA) gewährleistet. In der Regel sollte es daher steuerlich von Vorteil sein, dass Arbeitszimmer (von untergeordnetem Wert) dem Privatvermögen zuzuordnen, um eine spätere Versteuerung der stillen Reserven zu vermeiden.

Achtung: Für den Fall, das die Größenmerkmale des § 8 EStDV überschritten werden, verhindert das Abzugsverbot des § 4 Abs. 5 Nr. 6b EStG keine spätere Versteuerung eventueller stiller Reserven.  Da die Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer, dass nicht den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit bildet, grundsätzlich nicht bzw. nur teilweilweise abzugsfähig sind, führt die spätere Aufdeckung der stillen Reserven  oft zu ungewollten Steuernachteilen.

Gemäß R 7.2 Abs. 3 EStR sind Räume, die sowohl Wohnzwecken als auch gewerblichen oder beruflichen Zwecken dienen, je nachdem, welchem Zweck sie überwiegend dienen, entweder ganz den Wohnzwecken oder ganz den gewerblichen oder beruflichen Zwecken dienenden Räumen zuzurechnen.

Die Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer dürfen hingegen nur dann als Betriebsausgaben abgezogen werden, wenn das Arbeitszimmer nahezu ausschließlich betrieblich genutzt wird (private Mitbenutzung < 10%)[1][2].

Ein häusliches Arbeitszimmer, das zu mehr als 10% privat genutzt wird, unterliegt daher unweigerlich den Abzugsbeschränkungen des § 4 Abs. 5 Nr. 6b EStG, obwohl das Arbeitszimmer aufgrund einer betrieblichen Nutzung von über 50% dem notwendigen Betriebsvermögen zuzuordnen wäre.

Tipp:

Der Steuerpflichtige sollte dafür Sorge tragen, dass durch eine private Mitbenutzung des Arbeitszimmers (z.B. als Gästezimmer) eine Zuordnung zum Privatvermögen möglich bleibt. Die Zuordnung zum Privatvermögen hätte zur Folge, dass eine spätere Versteuerung der stillen Reserven bei Entnahme des Arbeitszimmers oder Betriebsveräußerung vermieden werden kann. 

 

 

 


[1] BMF-Schreiben vom 02.03.2011, BStBl. I S. 195

[2] BFH vom 27.07.2015, GrS-1/14

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