Häusliches Arbeitszimmer: Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit bei gleichzeitigen Bezug von „Alterseinkünften“

Nach § 4 Abs. 5 Nr. 6b EStG dürfen Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer sowie die Kosten der Ausstattung als Betriebsausgaben den Gewinn nicht mindern. Dies gilt nicht, wenn für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. In diesem Fall wird die Höhe der abziehbaren Aufwendungen auf 1.250 €begrenzt. Diese Beschränkung der Höhe nach gilt nicht, wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung bildet. Gem. § 9 Abs. 5 Satz 1 gelten diese Einschränkungen sinngemäß auch für die Überschusseinkünfte.

Wir möchten Ihnen eine BFH-Entscheidung[1] vorstellen, über die wir uns ganz besonders freuen. Zum einen, weil wir als Prozessbevollmächtigte den vorliegenden Musterprozess für unseren Mandanten geführt haben; zum anderen, weil u. E. mit der vorliegenden BFH-Rechtsprechung zwei wichtige Fragen eindeutig beantwortet wurden:

 

1. Sind in die Gesamtbetrachtung zur Beurteilung des Mittelpunkts der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung sog. „Alterseinkünfte“ mit einzubeziehen?

 

2. Sind bei der Ermittlung der (anteiligen) Aufwendungen für ein im Keller gelegenes häusliches Arbeitszimmer, das nach seiner Funktion, baulichen Beschaffenheit, Lage und Ausstattung dem Standard eines Wohnraums entspricht, die übrigen im Keller gelegenen (Neben-)Räume in das Flächenverhältnis einzubeziehen?

 

1. Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung

Bei der Feststellung des Mittelpunktes der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit eines Steuerpflichtigen ist auf die gesamte der Erzielung von Einkünften dienende Tätigkeit des Steuerpflichtigen abzustellen. Damit sind nicht nur die Einkunftsarten, bei denen eine Tätigkeit des Steuerpflichtigen zu berücksichtigen, sondern auch solche, bei denen die „Nutzenziehung“ im Vordergrund steht. (Einkünfte aus Kapitalvermögen, Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung sowie teilweise sonstige Einkünfte).[2]

Der BFH kommt in seiner aktuellen Entscheidung zu dem Ergebnis, dass Einkünfte aus früheren Dienstleistungen i. S. von § 19 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG, die nach Erreichen einer Altersgrenze allein aufgrund einer früheren, im betreffenden Veranlagungszeitraum nicht mehr ausgeübten Tätigkeit gezahlt werden, hingegen nicht in die Gesamtbetrachtung zur Beurteilung des Mittelpunktes der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung mit einzubeziehen sind.

Der Steuerpflichtige kann nach seiner Versetzung in den Ruhestand nichtdurch eine Tätigkeit seinerseits Einfluss darauf nehmen, ob und in welcher Höhe ihm von seinem Dienstherrn Bezüge gezahlt werden.

Wir sind der Auffassung, dass die vorliegenden Entscheidungsgrundsätze sinngemäß auch auf die Bezieher von (Alters-)Renten anzuwenden sind.

 

2. Flächenverhältnisse bei im Keller gelegenes Arbeitszimmer

Die auf ein häusliches Arbeitszimmer anteilig entfallenden Betriebsausgaben sind nach ständiger Rechtsprechung des BFH[3] nach dem Verhältnis der Fläche des Arbeitszimmers zu der nach §§ 42 bis 44 der Zweiten Berechnungsverordnung (II. BV) ermittelten Wohnfläche der Wohnung (einschließlich des Arbeitszimmers) zu ermitteln (§§ 42 bis 44 II. BV sind zum 1. Januar 2004 durch die Wohnflächenverordnung (WoFlV) ersetzt worden). Nicht zur Wohnfläche gehören die Grundflächen von Zubehörräumen, insbesondere u.a. Kellerräumen.

Entscheidet sich ein Steuerpflichtiger, betrieblich oder beruflich genutzte Nebenräume in die Kostenberechnung einzubeziehen, sind die abziehbaren Kosten nach dem Verhältnis des gesamten betrieblich oder beruflich genutzten Bereiches zu der Gesamtfläche aller Räume (einschl. Nebenräume) des Gebäudes aufzuteilen.

Bei einem im Keller gelegenen häuslichen Arbeitszimmer ist somit entscheidend, ob es sich um einen zur Wohnfläche gehörenden Hauptraum oder um einen nicht zur Wohnfläche gehörenden Nebenraum handelt. Räume, die nach ihrer Beschaffenheit und Funktion (auch) als Wohnräume dienen können, sind keine Zubehörräume bzw. Nebenräume. Allein ihre Lage im Keller macht sie noch nicht zu Zubehörräumen i. S. d. WoFlV.

Im vorliegenden Fall entsprach das sich im Keller befindliche Arbeitszimmer dem Standard eines Wohnraums. Somit stellt das Arbeitszimmer unabhängig von seiner Lage keinen Nebenraum dar, sondern gehört vielmehr zur Wohnfläche der Wohnung.

Daher waren die auf das Arbeitszimmer entfallenden abziehbaren Kosten im anhand des Verhältnisses der Fläche des Arbeitszimmers zur Gesamtwohnfläche (einschl. Arbeitszimmer) zu ermitteln. Die Flächen der Zubehörräume / Nebenräume blieben unberücksichtigt.

Die Lage des häuslichen Arbeitszimmers im Keller ist nach unserer Erfahrung keine Seltenheit. Überprüfen Sie bitte, ob betreffende Arbeitszimmer dem „Standard eines Wohnraums“ entsprechen und somit das günstigere „Wohnflächenverhältnis“ für die Ermittlung des Kostenanteils des Arbeitszimmers in Betracht kommt. Bitte beachten Sie hierbei auch, dass danach weitere im Keller befindliche und als Wohnraum einzuordnende Flächen konsequenterweise die Gesamtwohnfläche (Zähler) erhöhen, den Kostenanteil für das Arbeitszimmer jedoch reduzieren.

 

[1] BFH vom 11.11.2014, VIII R 3/12, www.stotaxfirst.de

[2] BFH-Beschluss vom 27.03.2009, VIII B 184/08, BStBl. II 2009, S. 850

[3] BFH vom 10.04.1987, VI R 94/86, BStBl. II 1987, S. 500; BFH vom 22.11.2006, X R 1/05, BStBl. II 2007, S. 304

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